RPA stirbt nicht, es wird zur Infrastrukturschicht 

Warum die Automatisierung der Zukunft weder reines RPA noch reine KI ist – und was die neuen Plattform-Generationen von UiPath und Microsoft für Unternehmen bedeuten. 

In kaum einer Technologie-Debatte wird so viel Falsches so selbstsicher behauptet wie in der Frage, ob RPA tot sei. Die kurze Antwort: Nein. Die längere: RPA verschwindet nicht, es wandert eine Schicht tiefer. Was obendrauf kommt, sind KI-Agenten, die denken, während die Bots weiterhin klicken. 2026 ist das Jahr, in dem aus dieser These Plattformrealität wird. 

60 % 5,2 Mrd. $ 40 % 
ENTERPRISE-APPS WEITERHIN AUSCHL. RPA Gartner, bis Ende 2026 RPA-MARKTVOLUMEN 2025 Prognose: 35 Mrd. $ bis 2030 WENIGER TCO Deloitte, bei Umstieg auf hybride Architektur 

Die falsche Frage: RPA oder KI? 

Seit der Verfügbarkeit leistungsfähiger Sprachmodelle überschlagen sich die Prognosen zum Ende der robotergestützten Prozessautomatisierung. Die Logik klingt bestechend: Wenn ein Agent Texte verstehen, Entscheidungen treffen und Systeme bedienen kann, wozu braucht man dann noch einen Bot, der stur ein Skript abarbeitet? 

Die Antwort liefert die Praxis. Peter Hecker, Autor des deutschen Fachblogs Hecker Consulting, analysiert in einer umfassenden Gegenüberstellung vom Januar 2026, warum die Entweder-oder-Frage in die Irre führt. Sein zentraler Befund: LLM-basierte UI-Agenten erreichen im Labor Erfolgsquoten von bis zu 90 Prozent – in der Produktivumgebung fallen sie, wenn ohne RPA, auf unter 50 Prozent. Gleichzeitig warnt Gartner, dass über 40 Prozent der Projekte mit autonomen KI-Agenten bis 2027 scheitern könnten. 

„AI is the brain and RPA is the hand. Die Zukunft gehört hybriden Ansätzen.“ 

— Peter Hecker, Hecker Consulting, Januar 2026 

Die Implikation ist klar: RPA bleibt für deterministische, geschäftskritische Prozesse in regulierten Umgebungen unverzichtbar – überall dort, wo Auditierbarkeit, Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit keine Verhandlungsmasse sind. KI-Agenten übernehmen dort, wo Interpretation, Kontextverständnis und adaptive Entscheidungen gefragt sind. Die Zukunft liegt nicht in der Ablösung, sondern in der Schichtung. 

Plattform-Realität 2026: UiPath und Microsoft  

Was bisher Theorie war, wird im Frühjahr 2026 Plattformrealität. Zwei der einflussreichsten Automatisierungsplattformen der Welt liefern innerhalb weniger Wochen ihre neuesten agentischen Generationen aus und definieren damit die Architektur der nächsten Automatisierungswelle. Die beiden Anbieter gehen dabei aus sehr unterschiedlichen Richtungen auf dasselbe Ziel zu. 

UiPath geht dabei mit Maestro ins Rennen, einer Orchestrierungs-Engine, die Bots, KI-Agenten und menschliche Freigaben in einem durchgängigen Workflow koordiniert. Maestro ist bewusst endpoint-agnostisch konzipiert; es orchestriert auch Systeme, die außerhalb von UiPath gebaut wurden, und unterstützt sogenannte Durable Execution: Wenn ein Prozess unterbrochen wird, setzt die Plattform exakt dort wieder an, wo er stehengeblieben ist. 

Microsoft kontert mit Agent 365, das mit der 2026 Release Wave 1 (ab April 2026) zur zentralen Orchestrierungsplattform für agentische Automatisierung ausgebaut wird. Die Multi-Agent-Orchestrierung wird allgemein verfügbar: Ein Parent-Agent delegiert Aufgaben an spezialisierte Child-Agents, reicht Kontext zwischen ihnen weiter und führt die Ergebnisse zusammen. Über das offene Agent-to-Agent-Protokoll (A2A) und das Microsoft 365 Agents SDK kommunizieren Copilot-Studio-Agenten direkt mit Agenten aus anderen Systemen, auch herstellerübergreifend. Power Automate liefert weiterhin die RPA-Ausführungsschicht mit neuen Self-Healing-Funktionen für Desktop Flows, Microsoft Fabric die Datenbasis, und ein neuer Model Context Protocol (MCP) Server verbindet Agenten, Flows und Tools über das gesamte Microsoft-Ökosystem hinweg. 

Die Unterschiede sind wichtig. UiPath geht von einer bestehenden RPA-Landschaft aus und erweitert sie um eine agentische Schicht – ideal für Unternehmen, die bereits hunderte Bots im Betrieb haben. Microsoft setzt auf die Integration in die Geschäftsanwendungen, die ohnehin genutzt werden: Teams, Outlook, Dynamics, Power Apps. Dort, wo Mitarbeiter ihre Arbeit erledigen, sollen auch die Agenten leben. 

Dimension UiPath Maestro Microsoft Copilot Studio 
Launch 2025 2026 Release Wave 1, ab April 2026 
Kern-Architektur Endpoint-agnostische Orchestrierung mit Durable Execution Copilot Studio als Agent-Plattform, Power Automate als RPA-Engine, integriert via MCP 
Agenten-Fokus Coding Agents nativ eingebettet, Claude Code und Codex unterstützt Multi-Agent-Orchestrierung in Copilot Studio, Self-Healing bei Desktop Flows 
Governance Agent Guardrails, Content Moderation, EU-AI-Act-konform Real-Time Risk Assessment, Governance-Agenten, Agent Feed für menschliche Aufsicht 
Typische Zielgruppe Enterprise mit bestehender RPA-Landschaft, die agentisch skalieren möchte Organisationen mit M365-Stack, die Automatisierung dort einbetten, wo gearbeitet wird 

Der eigentliche Paradigmenwechsel: Agenten, die Automatisierungen bauen 

Die strategisch wichtigste Ankündigung kam am 6. April 2026. In einem virtuellen Fireside Chat erläuterten UiPath-Gründer Daniel Dines und Chief Product Officer Raghu Malpani eine Richtungsentscheidung, die weit über ein Produktupdate hinausgeht: UiPath hat seinen gesamten Engineering-Roadmap darauf ausgerichtet, die Plattform primär durch Coding Agents nutzbar zu machen. 

Was das konkret bedeutet, erklärte Malpani im Fachmagazin Diginomica: Coding Agents sollen künftig Requirements aus Dokumenten erfassen, produktionsreife Workflows erstellen, Fehler in laufenden Automatisierungen diagnostizieren und Fixes vorschlagen – alles innerhalb der UiPath-Plattform. UiPath will dabei bewusst agnostisch bleiben und Coding-Agenten wie Claude Code und Codex unterstützen. 

Microsoft verfolgt denselben Gedanken aus einer anderen Richtung. Mit Agent Authoring in Copilot Studio können Entwickler Agenten natürlichsprachlich beschreiben, die dann automatisch konfiguriert, getestet und mit den richtigen Plugins ausgestattet werden. AI-powered Governance Agents übernehmen zusätzlich das Monitoring und die Remediation des gesamten Tenants – Agenten, die andere Agenten überwachen. 

„They author and deploy, meaning they go from natural language to production-ready agentic workflows with guardrails.“ 

— Raghu Malpani, Chief Product and Technology Officer, UiPath 

Die Tragweite ist erheblich. Bisher bauten Menschen Automatisierungen und Bots führten sie aus. In Zukunft bauen Agenten die Automatisierungen – und andere Agenten führen sie aus. Die Rolle des RPA-Developers verschiebt sich ein Stück weiter in Richtung Architektur: Er definiert Leitplanken, prüft Ergebnisse und steuert die Governance. Die Ausführung übernimmt die Maschine.  

Was hybride Automatisierung konkret bedeutet 

Hybrid klingt nach Kompromiss. In der Praxis ist es das Gegenteil: eine Architektur, die die Stärken beider Welten kombiniert und ihre Schwächen kompensiert. 

HYBRIDE AUTOMATISIERUNG IN DER PRAXIS 

RPA übernimmt die Ausführung. 

Deterministische, regelbasierte Aufgaben in strukturierten Systemen: Daten übertragen, Formulare ausfüllen, Schnittstellen bedienen. Zuverlässig, auditierbar, schnell. 

KI-Agenten übernehmen das Denken. 

Unstrukturierte Daten interpretieren, Entscheidungen vorbereiten, Ausnahmen erkennen und Eskalationswege wählen. Adaptiv, kontextbezogen, lernfähig. 

Die Orchestrierungsschicht koordiniert beides. 

Ob UiPath Maestro oder Microsoft Copilot Studio – eine Schicht koordiniert Menschen, Bots und Agenten in einem durchgängigen Workflow, mit Governance, Audit-Trail und Durable Execution. 

Die Zahlen stützen diesen Ansatz. Laut einer Analyse von Deloitte verzeichnen Unternehmen, die ihre Kernprozesse auf hybride KI-Architekturen umgestellt haben, innerhalb von 24 Monaten einen Rückgang der Gesamtbetriebskosten (TCO) für ihre Automatisierungsprogramme um durchschnittlich 40 Prozent. Gleichzeitig schätzt Forrester, dass in den vergangenen drei Jahren fast 45 Prozent der Automatisierungsbudgets in die Wartung bestehender Bot-Infrastruktur geflossen sind – statt in den Aufbau neuer Effizienzgewinne. Hybride Architekturen durchbrechen diesen Kreislauf, weil Agenten sich an veränderte Oberflächen und Schnittstellen anpassen, statt bei jeder Änderung auszufallen. 

Was Unternehmen jetzt tun sollten und was Lunatec dabei leistet 

Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 rund 40 Prozent aller Enterprise-Anwendungen task-spezifische KI-Agenten eingebettet haben werden – hoch von unter fünf Prozent im Vorjahr. Wer jetzt wartet, riskiert nicht nur einen Wettbewerbsnachteil, sondern auch steigende Wartungskosten für eine Bot-Landschaft, die ohne agentische Ergänzung zunehmend fragil wird. 

Der Einstieg in die hybride Automatisierung folgt einer klaren Reihenfolge. Erstens: Die bestehende RPA-Landschaft inventarisieren und die Prozesse identifizieren, die heute am meisten Wartungsaufwand verursachen, das sind die Kandidaten für agentische Ergänzung. Zweitens: Die Orchestrierungsschicht auswählen, ob UiPath Maestro, Microsoft Copilot Studio oder eine kombinierte Architektur. Drittens: Einen konkreten Piloten aufsetzen, der innerhalb von drei Monaten messbare Ergebnisse liefert. 

Lunatec begleitet diesen Übergang als UiPath Diamond Partner und Microsoft Partner. Wir verbinden tiefe Plattformkenntnis auf beiden Ökosystemen mit der Fähigkeit, hybride Architekturen von Beginn an compliance-gerecht zu entwerfen, einschließlich der Anforderungen des EU AI Act, der ab August 2026 für Hochrisiko-Systeme greift. Die Erfahrung aus Dutzenden Automatisierungsprojekten zeigt: Unternehmen, die heute mit der richtigen Architektur starten, sparen sich morgen die teure Nachrüstung. 

RPA stirbt nicht. Es wird zum Fundament, auf dem die nächste Generation der Automatisierung steht. Die Frage ist nicht mehr, ob man RPA oder KI braucht. Die Frage ist, wer beides zuerst zusammenbringt – sicher, skalierbar und compliant. 

ÜBER LUNATEC 

Lunatec mit Sitz in Frankfurt am Main ist UiPath Diamond Partner und Microsoft Partner. Wir begleiten Unternehmen beim Übergang von klassischer RPA zu hybrider, agentischer Automatisierung – von der Prozessanalyse über die Plattformarchitektur bis zum laufenden Betrieb.