Die besten ersten Automatisier-ungen für deutsche Herstell-ungsbetriebe 

Fünf Use Cases. Ein Einstieg. 

Use CaseBereichWas der Bot tutTypisches Ergebnis
Rechnungseingangs-
 verarbeitung
FinanzbuchhaltungRechnungen scannen, Daten extrahieren, mit Bestellungen abgleichen, in SAP buchen70% schnellere Verarbeitung
BestandsmanagementLager / LogistikLagerbestände überwachen, Nachbestellungen auslösen, Sicherheitsbestände aktualisieren40h/Woche Zeitersparnis
BeschaffungEinkaufLieferanten onboarden, Bestellanforderungen prüfen, 3-Way-Matching durchführen4-12% Kostenreduktion
Stücklistenpflege
 (BOM)
Produktion / EngineeringBOM-Daten systemübergreifend synchronisieren, Änderungen propagieren800h/Jahr Zeitersparnis
Fertigungsaufträge
 in SAP
Produktion / ControllingErledigte Bestellungen automatisch schließen, Statusupdates in SAP pflegenSofortige Kapazitäts-
 freisetzung

1. Rechnungseingangsverarbeitung 

Die Rechnungseingangsverarbeitung ist der klassische Einstieg in RPA für produzierende Unternehmen. Der Bot empfängt eingehende Rechnungen per E-Mail oder Scan, extrahiert Kopf- und Positionsdaten mittels OCR und intelligentem Parsing, gleicht sie automatisch mit Bestellungen und Wareneingängen ab und bucht sie in SAP FI. Bei Abweichungen wird der zuständige Sachbearbeiter benachrichtigt. UiPath-Benchmarks zeigen eine Zeitreduktion von 70 Prozent: 30 Sekunden statt fünf Minuten pro Rechnung. Der Vorteil: Es ist keine Prozessänderung nötig, da der Bot exakt den manuellen Ablauf nachbildet. Die Fehlerquote sinkt, weil Tippfehler und Zahlendreher entfallen.

2. Bestandsmanagement

Im Lager sorgt RPA dafür, dass Sicherheitsbestände laufend überwacht und bei Unterschreitung automatisch Nachbestellungen ausgelöst werden. Der Bot liest Bestandsdaten aus SAP MM oder WM, vergleicht sie mit definierten Meldebeständen und erstellt Bestellanforderungen, wenn Schwellenwerte unterschritten werden. Laut Appinventiv lässt sich die manuelle Arbeit bei Sicherheitsbeständen vollständig eliminieren, mit einer Ersparnis von rund 40 Stunden pro Woche. Besonders in Betrieben mit mehreren Lagerstandorten zahlt sich die Automatisierung schnell aus, weil der Bot standortübergreifend identisch arbeitet. Die Lagerteams können sich auf wertschöpfende Tätigkeiten wie Inventuroptimierung und Layoutplanung konzentrieren.

3. Beschaffung und Lieferantenmanagement

Im Einkauf automatisiert RPA wiederkehrende Aufgaben wie das Onboarding neuer Lieferanten, die Prüfung von Bestellanforderungen und das sogenannte 3-Way-Matching: den Abgleich von Bestellung, Wareneingang und Rechnung. UiPath bietet dafür einen eigenen Accelerator. Deloitte beziffert das Einsparpotenzial im Beschaffungsvolumen auf 4 bis 12 Prozent, vor allem durch weniger Doppelbestellungen, schnellere Freigabezyklen und konsistente Lieferantenbewertungen. Allerdings ist dieser Use Case organisatorisch anspruchsvoller: Genehmigungsstufen müssen klar definiert sein, und der Einkauf muss bereit sein, Teile seiner bisherigen Kontrollroutinen an den Bot zu delegieren. Deshalb empfehlen wir, Beschaffungs-RPA erst nach ersten Erfolgen mit einfacheren Use Cases anzugehen.

4. Stücklistenpflege (BOM)

Stücklisten (Bills of Materials) ändern sich in der Fertigung häufig, aber die Aktualisierung über mehrere Systeme hinweg (SAP PP, PLM-Systeme, Engineering-Datenbanken) ist mühsam und fehleranfällig. Ein RPA-Bot synchronisiert BOM-Änderungen automatisch zwischen den Quellsystemen, propagiert Revisionen und dokumentiert jede Änderung lückenlos. Itransition berichtet von 800 eingesparten Stunden pro Jahr in einem vergleichbaren Szenario. Die technische Herausforderung liegt in der Heterogenität der Quellsysteme: Je nach Systemlandschaft muss der Bot über APIs, SAP-Transaktionen und gelegentlich auch CSV-Exporte arbeiten. Der organisatorische Widerstand ist gering, weil die Synchronisation rein technisch erfolgt und keine Verhaltensänderung der Mitarbeiter erfordert.

5. Fertigungsaufträge in SAP

In vielen Werken bleiben erledigte Fertigungsaufträge in SAP offen, weil niemand die Zeit findet, sie systematisch abzuschließen. Das führt zu unübersichtlichen Auftragsbeständen und erschwert die Kapazitätsplanung. Ein RPA-Bot prüft regelmäßig den Status offener Aufträge, identifiziert abgeschlossene Vorgänge anhand definierter Kriterien und schließt sie automatisch in SAP PP/CO. VSoft beschreibt diesen Use Case als besonders dankbar, weil keine Prozessänderung nötig ist: Der Bot tut nur das, was ein Sachbearbeiter ohnehin tun müsste, aber aus Zeitmangel nicht schafft. Der Nutzen ist eher indirekt (Ordnung, Compliance, saubere Berichtsgrundlage), aber in Kombination mit anderen RPA-Bots entsteht ein spürbarer Qualitätsgewinn.

Implementierungsaufwand im Vergleich

Use CaseKomplexitätDauerSAP-IntegrationVoraussetzungenTeam
RechnungseingangNiedrig4-6 WochenStandard
 (FI/MM)
Digitale Rechnungen, definierter Freigabe-Workflow2-3 Pers.
BestandsmanagementMittel6-8 WochenMittel
 (MM/WM)
Definierte Meldebestände, klare Nachbestellregeln2-3 Pers.
BeschaffungMittel-Hoch8-12 WochenKomplex
 (MM/FI)
Lieferantenstammdaten gepflegt, klare Genehmigungsstufen3-4 Pers.
StücklistenpflegeMittel6-10 WochenMittel
 (PP/PLM)
Strukturierte BOM-Daten, definierte Änderungsprozesse2-3 Pers.
FertigungsaufträgeNiedrig-Mittel4-6 WochenStandard
 (PP/CO)
Klare Abschlusskriterien, definierte Statusübergänge2 Pers.

Die fünf Use Cases unterscheiden sich deutlich im Implementierungsaufwand. Rechnungseingangsverarbeitung und Fertigungsaufträge sind die einfachsten Einstiege: Sie nutzen Standard-SAP-Transaktionen, benötigen kleine Teams von zwei bis drei Personen und sind in vier bis sechs Wochen produktiv. Bestandsmanagement und Stücklistenpflege liegen im Mittelfeld. Beide erfordern saubere Stammdaten und klare Regelwerke, sind aber mit überschaubarem Aufwand in sechs bis zehn Wochen umsetzbar. Die Beschaffungsautomatisierung ist der komplexeste Use Case: Sie berührt mehrere SAP-Module (MM und FI), erfordert definierte Genehmigungsstufen und ein größeres Team von drei bis vier Personen. Dafür ist das Einsparpotenzial mit 4 bis 12 Prozent des Beschaffungsvolumens auch am höchsten. Grundsätzlich gilt: Saubere Stammdaten und klare Prozessdefinitionen sind die wichtigsten Voraussetzungen für jede RPA-Implementierung.

Risikobewertung im Vergleich

Use CaseTechnisches RisikoOrganisatorisches RisikoROI-SicherheitSkalierbarkeit
RechnungseingangNiedrig: regelbasiert, bewährte OCR/AINiedrig: keine Prozessänderung nötigSehr hoch: sofort messbarHoch: auf alle Standorte übertragbar
BestandsmanagementMittel: abhängig von DatenqualitätNiedrig-Mittel: Lager muss Vertrauen aufbauenHoch: Zeitersparnis direkt sichtbarHoch: pro Lagerstandort skalierbar
BeschaffungMittel-Hoch: viele Ausnahmen möglichMittel: Einkauf muss Freigaben anpassenMittel-Hoch: Einsparung erst nach OptimierungMittel: abhängig von Lieferantenstruktur
StücklistenpflegeMittel: heterogene QuellsystemeNiedrig: rein technische SynchronisationHoch: klare StundenersparnisMittel: abhängig von Systemlandschaft
FertigungsaufträgeNiedrig: einfache SAP-TransaktionNiedrig: keine Verhaltensänderung nötigMittel: Wert eher indirekt (Ordnung, Compliance)Hoch: auf alle Werke übertragbar

Das Risikoprofil der fünf Use Cases spiegelt den Implementierungsaufwand wider. Die Rechnungseingangsverarbeitung ist der risikoärmste Einstieg: regelbasierte Logik, bewährte OCR-Technologie, kein Change Management und sofort messbarer ROI. Fertigungsaufträge sind ähnlich risikoarm, bieten aber einen eher indirekten Nutzen. Bestandsmanagement und Stücklistenpflege tragen ein mittleres technisches Risiko, das vor allem von der Datenqualität und der Systemlandschaft abhängt. Organisatorisch sind beide unproblematisch. Die Beschaffungsautomatisierung birgt das höchste Risiko: Viele Ausnahmen im Einkaufsprozess können den Bot überfordern, und der Einkauf muss bereit sein, Kontrollroutinen anzupassen. Die ROI-Sicherheit ist dennoch gegeben, braucht aber eine längere Anlaufphase. Bei der Skalierbarkeit haben standortübergreifende Use Cases (Rechnungen, Bestand, Fertigungsaufträge) einen Vorteil gegenüber Use Cases, die von der lokalen Systemlandschaft abhängen (BOM, Beschaffung).

Empfohlene Reihenfolge

1. Rechnungseingangsverarbeitung

Der Klassiker. Niedrigstes Risiko, höchster ROI, schnellste Implementierung. Beweist den Wert von RPA intern und schafft Akzeptanz im Unternehmen.

2. Fertigungsaufträge in SAP

Parallel oder direkt danach. Technisch einfach, kein Change Management nötig. Zeigt, dass RPA auch in der Produktion funktioniert.

3. Bestandsmanagement

Nächster Schritt mit sichtbarem Impact im operativen Bereich. 40 Stunden pro Woche Ersparnis überzeugen auch skeptische Lagerleiter.

4. Stücklistenpflege (BOM)

Technisch anspruchsvoller, aber hohe Zeitersparnis im Engineering. Ideal, wenn das RPA-Team bereits Erfahrung mit systemübergreifenden Integrationen hat.

5. Beschaffung und Lieferantenmanagement

Komplexester Use Case, größter organisatorischer Wandel. Am besten erst mit RPA-Erfahrung und internem Track Record angehen.

LUNATEC

Lunatec mit Hauptsitz in Frankfurt und Büros in Dubai ist UiPath Diamond Partner und Microsoft Partner. Wir begleiten Industrieunternehmen im DACH-Raum und am Golf bei der Einführung von Robotic Process Automation in Fertigung, Logistik und kaufmännischen Prozessen. Von der Prozessanalyse über die Implementierung bis zum skalierten Betrieb.

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